WDR Poetry Slam

In dieser Woche werden in Köln 9 Folgen des WDR-Poetry-Slams aufgezeichnet. Zum ersten Mal wird es in Europa einen Poetry Slam im Fernsehen geben. Am Mittwoch war ich mit dabei. Ich fuhr gespannt, aber auch skeptisch nach Köln. Skeptisch vor allem, weil ich mich 1. wegen schlimmer Erfahrungen vor der Aufzeichnung fürchtete (ach, das ist ein schönes Thema für einen anderen Blog-Eintrag …), weil ich 2. nicht weiß, ob irgendwer im Fernsehen miterleben möchte, wie zum Beispiel ein bebrillter Mann – ich – von einem Zettel abliest, und 3. wegen des selten doofen Namens der Halle, in der die Sendung aufgezeichnet wurde (nee, den verrat ich nicht, der ist zu doof, nee, nee, na gut: Halle-Lu-Ja …. argh).

Der letzte Punkt war zum Glück schnell vergessen. War ne ziemlich coole (leider auch kühle) ehemalige Lagerhalle, und als ich sie betrat, wurde ich von Musik der Mariachis empfangen, die gerade probten, und fühlte mich schon halb wie zuhause. Die Mariachis werden alle Sendungen als Showband begleiten und mit ihrer Musik verschönern.

Es ist dem WDR gelungen, dort eine Veranstaltung hinzulegen, die sich wie ein echter Poetry Slam anfühlte – und tatsächlich auch einer war. Jörg Thadeusz hat sehr schön moderiert (und meinen Roman als den besten Science Fiction Roman der letzten 10 Jahre angekündigt … vielleicht rechtfertige ich das in mich gesetzte Vertrauen ja doch noch, wenn nach der Ausstrahlung die Massen in die Buchläden strömen ;-). Alle waren sehr nett, das Catering gut, das Hotel schön.

Auch die Kameraleute haben sich sehr bemüht, nicht zu stören. Ein Moment war allerdings gräßlich: In jeder Sendung treten 5 Poeten/Slammer/was auch immer gegeneinander an. Nachdem jeder oder jede 3 Minuten am Mikro stand, wurden alle noch einmal kurz vorgestellt und dann entschied das Publikum per Applaus über den Sieger des Abends. Das ist mir schon bei normalen Slams unangenehm – egal, ob ich stürmischen Applaus oder nur Höflichkeitsklatscher kriege – aber diesmal stand, als für mich geklatscht werden sollte, ein Kameramann neben mir und zielte auf mein Gesicht. Und ich weiß doch so schon nicht, wie und wohin ich in so einer Situation gucken soll! Und dazu dann noch die Vorstellung, dass das dümmliche Grinsen, das sich dann letztlich einstellt, ganz groß im Fernsehen zu sehen sein wird … grauenvoll. Und dann fing mein Mund an zu zucken und ich dachte, oh Gott, mein Mund muss aufhören zu zucken, und mein Mund dachte: Was? Aufhören? Ich hab noch gar nicht richtig angefangen, pass mal auf du!

Hinterher habe ich mich ein bisschen über mich selbst geärgert, weil ich (Achtung Spoiler ;-) meinen Text mit den Klonen vorgelesen habe, auf den ich eigentlich gar keine richtige Lust hatte, der aber immer ganz gut funktioniert. Aber es geht ja nicht nur ums funktionieren und außerdem kommt ein Text, den ich gerade sehr liebe, sowieso meist besser rüber, als eine vermeintlich sichere Nummer.

Ich bin sehr gespannt, wie das im Fernsehen wirkt. Ab 25.2. werden die Sendungen ausgestrahlt, und ich werde mir alle angucken – bis auf die, in der ich mit dabei bin!

Berichte vom Dreh aus Sicht von Ivo und den Mariachis gibts im LokBlog, dem Weblog der Lokalrunde. (Mensch Ivo, hättst ruhig mal Bescheid sagen können, dass Du auch unter die Blogger gegangen bist)

(Volker Strübing)

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9 Kommentare zu “WDR Poetry Slam

  1. Pingback: LokBlog » WDR Poetry Slam IV

  2. Pingback: WDR Poetry Slam- Dreh hat begonnen « Tommys Blog Party

  3. Kein Kommentar – eher eine Frage: Ist das die 1.Staffel des Poetry Slams – diese 9 gedrehten Folgen? Ist noch eine 2.Staffel geplant? Wie bewirbt man sich da?

  4. Was genau war das denn für eine Halle? Ich plane dieses Jahr eine Partyreihe und fand die Halle sehr interessant – würde sich sicherlich auch als Partylocation anbieten.

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