Tröstlich: Krieg überwiegend positiv

In einem Telepolisartikel las ich ein aus der taz übernommenes Zitat von Generalleutnant a. D. Jürgen Schnell, Hochschullehrer für die Bundeswehr:

Wenn der Krieg von Anfang an zur Geschichte der Menschheit gehört, dann ist anzunehmen, dass der Krieg überwiegend positive Funktionen erfüllt. Wäre es nicht so, dann hätte die Evolution sicherlich längst dafür gesorgt, dass der Krieg als Phänomen verschwunden wäre.

Dieses Argument ist uralt, in seiner Dussligkeit aber immer wieder erstaunlich. Man braucht nur „Krieg“ durch „Popeln in der Öffentlichkeit“ ersetzen (oder durch „Kindesmissbrauch“, „Unfug reden“, „Schweißfüße“ etc.), um zu sehen, was das für ein Quark ist. Weiter:

Die Natur ist offensichtlich von A bis Z auf Wettbewerb angelegt, und Kriege sind ihrem Wesen nach spezifische gewaltsam ausgetragene Formen des Wettbewerbs zwischen sozialen Großgruppen.

Das ist nichts weiter als Sozialdarwinismus – für mich eine der inhumansten Gesellschaftstheorien überhaupt, weil sie letztlich das Menschsein an sich abstreitet, den Menschen zum Tier und das Töten oder Verhungernlassen dieser zweibeinigen Tiere zu einer aus Naturgesetzen resultierenden Notwendigkeit erklärt. Für Militärs (oder Neoliberale) muss es freilich schön sein, sich selbst als Vollstrecker des Willens der Natur betrachten zu können.

(Volker Strübing)

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8 Kommentare zu “Tröstlich: Krieg überwiegend positiv

  1. Dummheit ist ja auch noch nicht von der Evolution (i.e. eine Frau mit weißem Rauschebart) weggemacht worden. Hat Biologe Generalleutnant Schnell schon eine Buch geschrieben? Meins ist alle.

  2. Oh je…wie schrecklich. Und dass alle immer vom „Willen der Natur“ reden. ALs ob die NAtur ein Mensch wäre, der irgendeine Intention hat. Das ist meiner Meinung das größte Problem. Da wird einfach menschlicher Wille in ein gedankliches Konstrukt(denn was ist „Natur“ überhaupt sondt?) projeziert und alles damit begründet, dass es ja „natürlich“ sei…

    Und das Argument von wegen die Evolution hätte schon dafür gesorgt, dass Krieg ausstirbt, wenn er nicht positiv zu sehen wäre ist dazu noch total bescheuert. Somit kann ja wirklich alles aber auch alles gerechtfertigt werden…aber das hast Du ja schon geschrieben. Schrecklich, dass es solche gedanken überhaupt gibt und noch schrecklicher, dass sie an die Öffentlichkeit geraten…

  3. Ich bin erschrocken, daß man so was inzwischen in Deutschland wieder öffentlich sagen darf, ohne das es nennenswerten Widerspruch seitens der Politik gibt. Das wäre noch vor 10 Jahren, oder sagen wir, vor dem 11. September 2001, kaum gesellschaftsfähig gewesen. Wohin geraten wir da nur wieder, wenn das das Eigenverständnis eines deutschen Militärs ist!
    (Schließe mich der vorigen Meinung an, daß es keinen „Willen der Natur“ gibt. WIR ALLE GEMEINSAM bilden den „Willen“ der Natur, und gestalten unser Zusammenleben so wie wir es wollen. Da muss jeder bei sich anfangen, und sich fragen in was für einer Welt er leben will.. Man übersetze die Brüder Karamasov nur auf die Gesellschaft!)

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  5. Dieser Hansdampf-General ist an Wurstigkeit nicht zu überbieten. Es ist aber nur zu verständlich: Wenn man nur halbswegs mit Intellekt gesegnet ist, muss man sich gedanklich die Welt, die Gesellschaft und die Geschichte so hinbiegen, dass dieses Militärdingen da irgendwie reingeht. Da kommt dann so ein quasi-faschistischer Unfug bei raus.

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  8. Habe eben „Krieg“ tatsaechlich jedes mal durch „Popeln in der Oeffentlichkeit“ ersetzt und viel dabei gelacht. Diese Methode laesst sich bestimmt auch noch auf andere Zitate anwenden….

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