SLAM 2006 (6) – And the winner is …

Marc-Uwe Kling! Herzlichen Glückwunsch – weiß Gott ein verdienter Sieg! Andere hätten ihn genauso verdient gehabt, aber die Slam-Schicksalsgöttin hat sich für ihn entschieden. Gute Entscheidung. Es hätte auch andere gute Entscheidungen gegeben, aber … na, ich denke, es ist klar, was ich meine.

Es war ein unglaubliches Finale. So eine Veranstaltung habe ich noch nicht erlebt. So tolle Texte, so unterschiedliche Texte, so ein begeistertes oder ergriffenes Publikum, so wenig Biere Backstage (sorry ;-), so ein gutes Gefühl, den Titel genau an diesem Abend, an diesem Ort abzugeben (ehrlich!) … (NACHTRAG, Montag früh: Ein noch besseres wäre es höchstens gewesen, ihn genau an diesem Ort, an diesem Abend erfolgreich zu verteidigen!)

Ich bin soundsovielter geworden – keine Ahnung, ist auch völlig egal. Hab mich, denke ich, nicht blamiert und das erste Mal versucht, das Publikum zum Mitmachen zu bringen. Hat auch funktioniert, leider bin ich dann rausgekommen, als ich einen Sprechgesang auf den Livebackgroundchor machen wollte. Das war aber nicht schlimm und am Ergebnis hätte es auch nichts geändert.

Im Stechen waren Lars Ruppel, Tobi Borke, Felix Römer und Mark-Uwe. Lars und Tobi waren großartig, aber nach ihnen kam Felix und was der da gemacht hat, war … ach, ich weiß, als Autor sollte das nicht so sein, aber mir fehlt ein passendes Wort. Ergreifend? Im Saal, der eben noch getobt hatte, war es totenstill, als Felix sprach und dann, nach seinem abschließenden „Danke München“ brach die Hölle los. Fast der gesamte Saal stand auf und klatschte und jubelte ihm zu, die anderen waren noch damit beschäftigt, sich die Augen trocken zu wischen. Was für ein Text! Und ich dachte: Armer Marc-Uwe, was bin ich froh, dass ich nich im Stechen bin. Du musst jetzt nochmal da raus, dabei ist die Sache entschieden, wer weiß, ob die Leute Dir jetzt überhaupt noch zuhören wollen. Ich habe überlegt, was ich an seiner Stelle getan hätte. Vielleicht hätte ich noch ein Experiment gewagt und das erste Mal einen Text improvisiert. Dieser wäre sehr kurz geworden und hätte ungefähr so ausgesehen: „Herzlichen Glückwunsch, Felix. Es ist mir eine Ehre, den Titel an Dich übergeben zu können. Danke an alle, die diese Meisterschaften möglich gemacht haben!“ Einen Moment war ich ganz gerührt von dieser Idee, und davon, was für ein nobler Mensch ich bin … (Dabei hätte ich mich bloß nicht getraut, nach Felix noch etwas vorzulesen.)

Jedenfalls: Marc-Uwe also da rauf auf die Bühne (zwecks Hinrichtung, wie ich vertrauensloser Wicht dachte) und den Meistertitel für sich klargemacht. Irre.

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8 Kommentare zu “SLAM 2006 (6) – And the winner is …

  1. Was für eine tolle Veranstaltung. Ich muss sagen es war mein erster Slam und dann gleich so gut! Ich bin völlig begeistert und immernoch wie im Rausch.

  2. das mit dem wenigen backstagebier im finale könnte auch damit zusammenhängen, dass moralisch schlechte menschen in den vorrunden das schon über gebühr weggemacht haben. ich schäme mich ja so, hat ja noch nicht mal geschmeckt, industrieplörre das.

  3. Ja, wie geil war das alles bitte???

    Respekt an Marc, dass er nach Römers Text noch mal rausgegangen ist… auch ich hätte nur „Danke und Glückwunsch“ gesacht… Insofern hat der Junge es verdient!

    Bielefeld gratuliert herzlichst! Und wir haben auch ein paar Worte zum Slam in MUC gesagt in unserem Special!

    Und an dieser Stelle: Glückwunsch zum Team-Titel, Volker und Micha! Großartig!!!

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  5. Prima!
    Genau so habe ich das auch erlebt.
    Zwar kannte ich den Text von Felix schon, habe aber bei der Vorstellung, was das Publikum, das den Text zum ersten Mal hört, dabei erleben muss, eine Gänsehaut gekriegt. Quasi ne Sekundär-Gänsehaut.
    Hui!

  6. Wo gibt´s die Texte der Finalteilnehmer? Ich konnte leider nicht dabei sein. Oder gibt es evtl. Film- oder Tonaufnahmen?

  7. Leider gibt’s das Final nirgends zu sehen oder zu hören (würde mich über gegenteilige Nachricht freuen). Unsere Teamtexte und ein weiterer Text von mir sind im Internet gelandet. Vielleicht waren die anderen so schlau zu sagen: Nö, ich will den nicht ungeprüft und kostenlos veröffentlichen lassen. Ich ärgere mich ein bisschen. Nicht wegen dem „kostenlos“, sondern wegen dem „ungeprüft“. Die Aufnahmen vom Teamfinale sind schrecklich und transportieren nichts. Ich hab mir die angehört und gedacht: Was denn, mit der grottigen Performance haben wir gewonnen? Aber ich weiß ja, dass es eigentlich nicht grässlich war …

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