Feminismus immer merkwürdiger

Weil sich Zeitschriften für Frauen ständig mit Diäten beschäftigen ist es nur folgerichtig, dass sich das politische Magazin von Frauen EMMA mit Diätwahn beschäftigt. Ein Interview mit einem Ernährungswissenschaftler namens Pollmer. Der ist gegen Ernährungsberaterinnen, weil seine Ernährungs-Philosophie besagt, dass man schlicht und einfach essen soll, was und soviel man will, denn der Körper weiß selbst, was gut für ihn ist und was nicht. Wenn Pollmer sagt Ernährungsberaterinnen, dann meint er auch die weiblichen Vertreter der Zunft, und sei es als die gute Fee von der Ernährungsberatung mit ihrem langen, dürren Finger. Ich dachte ja immer, bei der EMMA seien das kapitale Binnen-I oder eine weibliche Form für den Plural Standard oder Norm (immerhin spricht die Interviewerin von zuständigen Ministerinnen), aber das ist wahrscheinlich nur so ein Klischee, außerdem ist es ja Pollmer, der so redet: Opfer der Ernährungsberatung sind nämlich Patienten und jeder dritte Deutsche. Dem Pollmer lässt die EMMA schon einiges durchgehen, die Feministin in mir (ja auch ich habe eine weibliche Seite meiner Persönlichkeit, irgendwer muss ja ab und zu mal saubermachen – Entschuldigung, is´n Witz) murrt nun doch etwas. Erst Recht bei dem schönen Satz: In einen Kindergarten gehört keine dürre Ernährungstussi, sondern eine gestandene Köchin! Aber wer Essen propagiert, wie in der Nachkriegszeit, der hat wahrscheinlich auch ein dazu passendes Bild von den Geschlechterrollen. Oder? Doch stimmt, gleich am Anfang des Interviews steht es:

EMMA: Herr Pollmer, darf Ihre fünfjährige Tochter essen, was sie will?

Pollmer: Natürlich. Sie liebt Pommes. Meine Frau müht sich redlich, den Speiseplan zu verbreitern, aber sie bekommt ihre Pommes trotzdem in vergleichsweise hoher Dosis.

Das ist nun wirklich süß. Schönen Gruß an dieser Stelle an Frau Pollmer. Wahrscheinlich kann sie einfach wirklich besser kochen als ihr ernährungswissenschaftlicher Gatte. Möglicherweise ist das ja genetisch bedingt? So wie auch diese vielbeschworene Geschlechtersolidarität unter Frauen, die hier mal zu einem wirklich hübschen und wohl unbewussten Brückenschlag geführt hat, von der EMMA zu Eva Herman, die ja verbreitet, Frauen seien viel eher in der Lage, Apfelkuchen zu backen. (Die Texte zu E.H. sind von H. Werning, deren Geschlecht noch strittig ist.)

(Andreas Krenzke)

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