Kunst, rein, wahr

Mal was zum Thema „reine wahre Kunst.“ Neulich in der Straßenbahn (manche sagen Tram) sitzt mit seiner Mutter ein Kind. Das Kind ist eindeutig geistig zurückgeblieben (manche sage speziell begabt). Es freut und freut und freut sich über eine Hauswand am Rosenthaler Platz, die über und über mit Graffiti (manche sagen Sachbeschädigung) verziert (manche sagen beschmiert) ist. „Sieht das schön aus! Sieht das schön aus! Sieht das schön aus!“ Ich überlege, wann ich das letzte mal so ehrliche begeisterte Freude beobachtet habe, wie in diesem Moment bei diesem Kind. Kunst, die Freude bringt, beim vorbeischaukeln mit der Straßenbahn. Ganz unerwartet, nicht im Museum, nicht im Feuilleton, nicht für Akademiker oder Steuerzahler. Nur so, für ein zurückgebliebenes Kind. Die Graffitimacher werden es nie erfahren. Ich denke über das Thema „reine wahre Kunst“ nach. Ich jedenfalls mache was anderes. Dann denke ich darüber nach, das Wowereit die Wahl gewonnen hat. Der war ja letztes Jahr Schirmherr eines Anti-Graffiti-Kongresses in Berlin. Soll dort immerhin eine sprayerfreundliche Rede gehalten haben.

(Andreas Krenzke)

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