Stuttgart in Schnipseln

1) Gut zu wissen
Als ich am Sonnabend einem Bekannten erzählte, dass ich Sonntag nach Stuttgart fahren wolle, sagte er, dass er dort nicht tot über Zaun hängen möchte. Wenn ich ihn das nächstemal begegne, werde ich ihn beruhigen: Er würde dort auf keinen Fall lange hängen. Tot-übern-Zaun-hängen wird dort nicht geduldet. Ich habe in Stuttgart nicht einen Menschen tot übern Zaun hängen sehen. In Stuttgart achtet man noch auf gepflegte Zäune.

2) Auch Stuttgart hat kleine Fehler

In Stuttgart gibt es eine Mercedes-Konzern-Zentrale, Weinberge, kleine Biere für 3 Euro, einen wunderbaren Slam in der Rosenau, demnächst einen asynchronen Brauseboy, aber es gibt auf dem ganzen Hauptbahnhof kein Geschäft, in dem ein herumreisender Slammer einen Ersatz für seine in Berlin vergessene Zahnbürste erwerben kann. Das ist nicht schön.

3) Goethe geschändet! Mercedes in Gefahr!

Die oben erwähnte Mercedes-Konzern-Zentrale hätte ich heute morgen beinahe abgerissen, nur so, aus Jux und Dollerei – ich fühlte mich ausgeschlafen und nach einem Besuch bei dm („Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“), auch wieder wie ein Mensch, was aber nicht an deren zutiefst verabscheuungswürdigen Werbeslogan, sondern schlicht an der dort gekauftenZahnbürste lag – kurz: Ich fühlte mich zum Konzernzentralenabreißen! Und weil ich auf der Fahrkarte Reisedatum (11.09) und Abfahrtszeit (11.32) verwechselt hatte, blieb auch noch genug Zeit. Aber dann ist mir eingefallen, dass ich erst am Sonnabend noch einem zweiten Mann von meiner bevorstehenden Stuttgartfahrt erzählt habe, und ihm versprechen musste, die Mercedes-Konzern-Zentrale stehen zu lassen, weil dessen Arbeitsplatz da dran hinge. Da hab ich eben Kaffee im Wiener Wald am Hauptbahnhof getrunken.

4) Kofferbombenkoffer ächten!

Statt dem ganzen Rail-Marshall– und Hartz-IV-Patrouillen-Blödsinn hätte man als Reaktion auf die fehlgeschlagenen Kofferbombenattentate die Mitnahme von Kofferbombenkoffern verbieten können. Damit wäre allen gedient, außer natürlich den Kofferbombenkofferbesitzern, aber die sind so sowieso doof (sorry Nils :-)). Wie ich das Geräusch der kleinen Plasteräder hasse, mit denen sie mühelos den Zugverkehr und alle Bahnhofsansagen übertönen, wie ich ihre aufgerissenen Augen und aufgepusteten Backen hasse, wenn sie diese Dinger in den Zug wuchten, ohne auf Kollateralschäden zu achten, wie es mich ankotzt, wenn sie vor und nach jedem Zughalt minutenlang den Gang blockieren, übereinander und über die Koffer der schon oder noch sitzenden Trolley-Trottel fallen oder wie sie mir beinahe die Knie zertrümmern, wenn sie ihre mobile Wackersteinsammlung unter den Tisch zu schieben versuchen, weil sie nicht auf die Gepäckablage passt … Also ich würde die alle auf dem Bahnhofsvorplatz prophylaktisch sprengen.

5) Apropos Mobil

An die Ansage „In Frankfurt ist unsere mobile Eisverkäuferin zugestiegen“ hat man sich ja gewöhnt, aber heute gab es einen hübschen Zusatz: „Ferner ist eine Minibar zugestiegen.“

(geschrieben heute Nachmittag im Zug nach Berlin)

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