Entfremdete Arbeit

Neulich habe ich im Fernsehen Aufnahmen aus einem israelischen Jet von der Zerstörung eines Gebäudes im Libanon gesehen – man kennt diese Bilder aus den Golfkriegen: Alles grau, grobkörnig und irgendwie unwirklich, ein Fadenkreuz und diverse Anzeigen über dem Bild, dann ein Blitz, und wo eben noch das Gebäude war, ist nur noch Rauch. Dazu gab es die in solchen Fällen übliche Ansage: „Dies ist kein Videospiel, auch wenn es so aussieht …“

Irgendwann im ersten Irak-Krieg hat irgendein Journalist mal diesen Spruch gemacht, und seither plappern ihn alle gedankenlos nach. Aber: SO SEHEN VIDEOSPIELE NICHT AUS! (Es mag freilich inzwischen welche geben, die diesen Look imitieren – die Nachrichtenbilder aber waren zuerst da.)

Ich weiß ja, was man damit sagen will: Dass die Piloten keinen Bezug mehr zu den Folgen ihrer Handlungen haben, weil sie die Opfer nicht sehen – aber das galt auch schon für die Bomberpiloten im 2. Weltkrieg.

Das ist wohl einer der Aspekte des „asymetrischen“ Krieges: Auf der einen Seite Menschen, die eine technische Herausforderung so gut wie möglich meistern wollen und das selbst eher als „Ausschalten von Zielen“ oder „Schläge gegen die Infrastruktur des Feindes“, denn als Töten verstehen. Auf der anderen Seite Menschen, denen soviel Hass eingetrichtert wurde, dass sie es fertig bringen, sich mit einer Bombe in einen Bus zwischen ihre Opferzu setzen und nicht einmal durch den Anblick eines Kindes zwei Reihen vor ihnen von ihrem Vorhaben abzubringen sind.

Beides unfassbar gruselig.

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