Schnipsel vom 29.3.2015 – Über Klokonsum, die Lösung des Abfallproblems und tanzende Bäume

[Der Schnipselfriedhof ist umgezogen. Demnächst nur noch hier: www.Schnipselfriedhof.de]

Hurra! Wenn die Bäume tanzen, dann ist endlich Frühling:

P1200418Zeit für den Frühjahrsputz! Weg mit allem Müll und Krempel und Gerümpel, Platz schaffen für neuen Schund und Plunder und Schnickschnickschack. Die eleganteste Methode der Müllentsorgung ist es sicherlich, einfach Weiterlesen

Der Schnipselfriedhof wird umgebettet

Nach 1179 Beiträgen (von denen ich etwas über 1000 verfasst habe; der Rest stammt von Andreas Krenzke) mit 1,6 Millionen Aufrufen und 8000 Kommentaren, nach fast 9 Jahren (was die gerade genannten hohen Zahlen doch wieder etwas relativiert) und solch welthistorischen Einschnitten wie der Eurokrise, dem Beginn des Ukraine-Konflikts und der Einführung des iPhones, ist es endlich soweit: Der Schnipselfriedhof zieht bei den freundlichen Menschen von wordpress.com aus und in eigene Wohnung (eine Mietwohnung von strato).

Ab sofort ist er unter www.schnipselfriedhof.de zu erreichen. (Diese Adresse gab es auch bisher schon, war aber nur eine Umleitung zu volkerstruebing.wordpress.com.) Es wird sich wenig ändern. Alle alten Beiträge und Kommentare sind mit umgezogen, ich behalte vorerst das selbe Layout bei, von einem kleinen Headerbild abgesehen.

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Die nächsten drei Beiträge werde ich unter beiden Adressen veröffentlichen, aber falls jemand den Schnipselfriedhof gebookmarked hat, sollte er die Adresse bald ändern.

Ich danke allen Lesern und Kommentatoren, meinem Mitautor Spider und dem Team von WordPress für die letzten 9 Jahre!

Prost Kaffee auf die nächsten 9!

(Volker Strübing)

Sonnenfinstermist

So ein Ärger. Wo sind die Raub-Uploader, wenn man sie mal braucht? Hätte gerne die beste Sonnenfinsternis-Doku aller Zeiten, nämlich “Nicht der Süden – Teil 4″ verlinkt, inklusive einem völlig verkaterten Hauptdarsteller, einer Zitronensonne und rülpsenden Walrossen, aber es ist nirgends zu finden. Nicht mal bei youtube. Nur Trailer. Aus den mediatheken wird es immer ein paar Monate nach der Ausstrahlung gelöscht, und da wir damals nicht in HD gedreht haben, wird es wohl niemals wieder ausgestrahlt.
Aber im Trailer sieht man wenigstens mal ganz klitzekurz die Sichelsonne der partiellen Sonnenfinsternis 2008 auf Spitzbergen:

Die 74% heute in Berlin waren nicht gerade spektakuär. Das Licht wurde halt ein bisschen fahl, eigentlich lohnt es sich erst ab 85% so richtig. Aber für zwei, drei nagelneue sichelförmige Sommersprossen auf der Nase hat es doch gereicht.

2015 – Der Jahresrückblick, Teil 1

Wenn ich eins schmerzlich habe lernen müssen, dann das: Wer zu spät, den bestraft das Leben! Es sei denn das Leben kommt noch später. Bzw. die Bahn. So erging es mir in Dresden, als ich 5 Minuten zu spät am Gleis war, der Zug aber 7 Minuten! Und diese 7 Minuten fuhr er dann auch noch heraus und war pünkltlich am Zielort. Die Bahn und ich, das ist eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruht. Wobei wir uns ein paar Tage später beinahe auf ewig im Streit getrennt hätten, des Zugbegleiters im Nacht-ICE von Ulm nach Berlin wegen, der ein Supermegaultraarsch war, und wenn es je einen Grund gab, die GDL zu verfluchen, dann nicht wegen der Streikerei, sondern weil sie diesem Idioten zu mehr Geld verhelfen will. Da ändern dann auch die eine Million netten Bahnmitarbeiter inklusive allerliebster Verwandschaft nichts mehr!

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(FAS, 8.2.2015)

Jedenfalls: Normalerweise ist es nicht ratsam, zu spät zu kommen, deshalb fange ich lieber jetzt schon mit dem Jahresrückblick an.

Es war ja auch bisher schon ereignisreich genug. Mein neues Handy etwa meldete mir gerade vorhin: “Für dieses Gerät ist ein Ereignis verfügbar: Ein Kopfhörer wurde eingesteckt” – ist das nicht toll! Und das einzige was ich dafür tun musste war, einen Kopfhörer einzustecken!

IMG_0026(Thach allerseits! – aus der Reihe: “Niemand hat die Absicht, auf einen Kalauer zu verzichten!”)

Davon abgesehen war ich dieses Jahr schon in Mannheim, Greifswald, Göttingen, Bremen, Helmstedt, Würzburg, Osnabrück, Münster, St. Gallen, Zürich, Dresden, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Westberlin und irgendwas mit -nitz am Ende in Sachsen-Anhalt, letzteres ausnahmsweise sogar privat. Gerade bin ich in Leipzig, bis Ende Februar stehen noch Halle, Magdeburg, Bruneck, Pozen und Hamburg auf dem Fahrplan. In Südtirol werde ich zum erstenmal mit einem italienischen Zug fahren und bin schon ganz aufgeregt! Gerade erst war es mir zwischen Karlsruhe und Ulm das erste Mal vergönnt einen TGV zu nehmen, und ich muss sagen, französiche Züge stehen mir. Der Kaffee kann leider nicht mit dem guten aus dem DB-Bistro mithalten.

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In Karlsruhe, Stuttgart und Ulm hatte ich Duo- oder Halbsolo-Auftritte mit Kirsten Fuchs, das war toll! Gerade ist übrigens Kirstens neuer Roman erschienen, Mädchenmeute, ein echter Wälzer, auf den ich mich sehr freue, weil er bestimmt super ist. Im Literaturhaus Karlsruhe machte sie für Facebook ein schönes Werbefoto dafür (Direktlink), dessen Making-of ich hier voller Freude präsentiere.

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In Ulm trafen wir unsere liebe Kollegin Martina Brandl, und es gelang mir, im Backstageraum des Roxy beide Damen auf ein Foto zu bekommen.

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Ebenfalls Backstage vom Roxy trafen wir die Tochter von R2D2:

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(Fußgängerzone Osnabrück. Eines Tages gebe ich ein Bilderlexikon heraus. Ich hab schon was für “R” wie “Rasierer-Inzahlungnahme”)

Ein doppeltes Spiegelei vom Hotelfrühstück in Stuttgart war mein meistgelikter Facebookpost im Februar:

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(Und dann die Erleichterung am Morgen, wenn dir auffällt, dass es kein Spiegel, sondern nur ein Spiegelei ist…)

Außerdem war es auch der mit den lustigsten Kommentaren, wobei mich am meisten diese beiden Bilder freuten:

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(von Tobi As – Direktlink)

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(von Bjørn Høgsdal –  Direktlink)

Zugabe:

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(FAS 8.2.15)

Weil ich da seit zwei Wochen mal wieder mitspiele:

Icke neulich bei Twitter:

“Duschen,bei denen man durchs Wasser greifen muss, um zwischen den Betriebsarten Kaffeekochen und Schockfrosten zu wählen

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(Bahnhof Zürich am Morgen)

“Nostalgie ist auch nicht mehr, was sie mal war.”

(Sofort danach packte mich Panik und ich schickte folgenden Tweet hinterher, für den ich extra Altgriechisch lernte und eine neue Angst erfand und benannte:)

“Wie heißt die Angst, einen Witz gemacht zu haben, der schon superalt ist? Pogonophobie? Das könnte aber auch die Angst vor Hipstern sein…”

“Da fährt man einmal 1.Klasse und dann läuft auf dem großen Bildschirm “Hamm (Westphalen)”…

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(Theater Osnabrück – mit Jason Bartsch, Sandra da Vina & Jan-Philipp Zymny)

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(Das Honorar erschien uns nur im ersten Moment verwirrend großzügig …)

“Gerade kam die Nachricht: “Läuft bei Dir” ist nun auch zum Seniorenwort 2015 gewählt worden! ” (Ich fand den lustig, aber sonst offenbar niemand …)

Apropos “fand sonst niemand lustig”. Ich musste ja doch sehr über diesen Buchtitel schmunzeln:

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Und hier ist mein absolutes Lieblingsbild des Monats: Ich weiß garnicht, was ich toller finden soll: “Monatshit”, “Rindshuftstreifen” oder “Wodkarahmsauce”. Bindestriche hätten alles kaputt geamcht! Und endlich habe ich eine Antwort, wenn mir jemand blöd kommt und sagt: Sag mal ein Wort mit “Karahmsa” (Aber die fehlenden Anführungsstriche hinter “Smirnoff machen mich wahnsinnig!)

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(Theater Osnabrück, Dead Or Alive Poetry Slam, Andreas Weber)

Das böse alte Schreckgespenst

Ich kann nicht fassen, was geschieht: Dass ein Atomkrieg in Europa plötzlich wieder in den Bereich des Möglichen rückt. Die ganzen Bilder, mit denen man mich in meiner Kindheit gequält hat, die ganzen äußerst detaillierten Beschreibungen der Leiden der Opfer von Hiroshima und Nagasaki, all die Mahnungen, dass “die Lebenden die Toten beneiden werden” kommen wieder hoch und bescheren mir Alpträume. Die Spätergeborenen haben Glück, dass es ihnen erspart blieb, als Kind bei jedem Sirenengeheul zusammenzuschrecken, bis ihnen einfiel, dass es Mittwoch um eins und dies nur der wöchentliche Testlauf war.

“Atomkrieg”, das klingt nach alten Science-Fiction-Filmen, aber nicht nach etwas, wovor man konkret Angst haben müsste. Wer wäre schon so verrückt und grausam, Atombomben einzusetzen, wer würde hunderte Millionen Menschen verdampfen, verbrennen und verstrahlen? Wer kann sich Deutschland erneut in Trümmern vorstellen? Wer würde auch nur zu denken wagen, dass seine Familie, seine Freunden oder er selbst in einem sinnlosen Krieg umkommen? Hierzulande ist seit auf den Tag genau 69 Jahren und 9 Monaten Frieden, das bleibt doch jetzt für immer so, oder?

“Atomkrieg” klingt so bizarr und vielleicht ist das Teil des Problems, weil so wenige diese Gefahr ernst nehmen.

Ich glaube nicht, dass irgendjemand einen Krieg zwischen der Nato und Russland will, aber auf beiden Seiten gibt es genug Politiker und Militärs, die bereit sind, ihn in Kauf zu nehmen. Die lieber uns opfern würden, als irgendein ominöses Gesicht zu verlieren oder als Schwächling dazustehen. Es braucht keinen Angriffsplan; die Mätzchen, die jetzt schon gemacht werden, die Manöver, de Provokationen könnten reichen. Ein einziger kleiner Fehler, ein Missverständnis, ein einziger etwas zu wagemutiger Pilot oder Kommandeur kann das Pulver entzünden, und dann kann niemand mehr zurück, bis eine Seite nur noch einen allerletzten Ausweg sieht.

Und eins könnt ihr wissen: Sowohl in Brüssel als auch in Moskau sitzen sie längst wieder an ihren Sandkästen und veranstalten Planspiele, prüfen Optionen für einen “begrenzten Atomwaffeneinatz” und berechnen, wieviel Prozent der Bevölkerung einen Nuklearkrieg überleben müssten, damit man das Ganze noch als Sieg verbuchen kann.

Nein, ich glaube nicht, dass es soweit kommt. Es ist zwar nicht unmöglich, aber, so hoffe ich, unwahrscheinlich. Aber selbst eine Wahrscheinlichkeit von 0,01 Prozent wäre angesichts dessen, was uns bedroht, unerträglich groß. Es ist wie eine umgedrehte Lotterie, bei der man überhaupt nichts gewinnen, aber absolut alles verlieren kann. Und für einen Hauptverlust braucht es nicht unbedingt einen Sechser mit Zusatzzahl, sondern ein lumpiger Vierer wäre genug.

Bleibt die Frage, was wir tun können. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, Panik zu schüren, in der Hoffnung, dass sie sich als unbegründet erweist. Der richtige Moment, um die Friedensbewegung wiederzubeleben. Eine Friedensbewegung, die sich nicht von Reichsbürgern und anderen Spinnern vereinnahmen lässt und die groß und stark genug ist, um es zu verkraften, wenn ein paar verrückte Schlagersänger mitmarschieren. Eine Friedensbewegung, keine Pro-Putin-Bewegung, eine Bewegung gegen all die starken Männer mit ihren markigen Sprüchen auf beiden Seiten. Es braucht viele Menschen, eine echte Volksbewegung, ein lautes Nein all jener, mit deren Leben hier gespielt wird. Und dafür braucht es ein Bewußtsein der Gefahr, in der wir schweben.

Drei Dinge noch:

1. Ich habe keine Ahnung, wie die Krise zu lösen ist. Nur falls sich jemand fragt, wo meine diplomatische Initiative bleibt.

2. Trotz aller Fehler, aller Arroganz, aller Wortbrüche seitens der NATO und der EU halte ich persönlich Russland für den gefährlicheren Akteur. Es gibt aber einige Leute, die ich sehr schätze und die alles andere als naiv oder putinbegeistert sind, die die NATO als das Hauptproblem ansehen. Solange man sich einig ist, dass letztlich auf beiden Seiten gemeingefährliche Alpha-Affen an den roten Knöpfchen rumspielen, sind die Gemeinsamkeiten aber viel wichtiger als unsere Meinungsverschiedenheiten.

3. Eigentlich schreibe ich diesen Beitrag, damit mir möglichst viele Leute schreiben, dass ich mich irre und mir mal keine Sorgen machen soll. Bitte beruhigt mich!

Und damit dieser Beitrag nicht so düster endet, hier noch eine kleine Liebesgeschichte: “Mein schöner kalter Krieg”

Mein schöner kalter Krieg

Es war alles so klar früher. Ich wusste ganz genau, wie meine Zukunft aussehen würde. Schon im Kindergarten hatte man mir immer wieder genussvoll und detailliert beschrieben, wie ich eines Tages entweder in einem atomaren Feuerball verglühen oder langsam und qualvoll an der Strahlenkrankheit zu Grunde gehen würde.

Andererseits hieß es natürlich auch, die Zukunft, die werde uns allen ein glückseliges Leben in einer kommunistischen Welt bescheren, aber die Untergangsprognosen überwogen bei weitem – zumindest beeindruckten sie mich viel stärker. Im Mittelalter hatten die Pfaffen sicher auch mehr Erfolg mit blutrünstigen Höllenschilderungen, als mit der Propagierung eines wunderschönen, leider aber auch todsterbenslangweiligen Paradieses.

Mein Tod, so war ich überzeugt, war beschlossene Sache. Blieb die Frage, wann die Nato mich umbringen würde. Klar, das ich möglichst spät sterben wollte. Mit 12 Jahren war es meine größte Angst, eine Atombombe auf den Kopf zu bekommen, bevor ich wenigstens einmal ein Mädchen, und zwar am besten Kathrin Müller geküsst hatte. Deshalb war ich auch begeisterter Anhänger des Nato-Doppelbeschlusses, denn wenn die NATO nachrüstete, würde sie mich nicht umbringen, bevor sie damit fertig wäre. Und das sollte ein paar Jahre dauern.
Außerdem, ich gebe es zu, ein bisschen schmeichelte mir der Gedanke, dass mein Tod der NATO noch ein paar Milliarden Dollar mehr wert war. Mit der westdeutschen Friedensbewegung, die das Geld lieber für humanitäre Zwecke, den Umweltschutz und ähnliches ausgeben wollte, konnte ich damals wenig anfangen. Immer wieder wiesen im Fernsehen unrasierte, vor irgendwelchen NATO-Basen im Matsch hockende Kuttenträger daraufhin, dass man keine neuen Raketen bräuchte, weil bereits genug alte Raketen da wären, um mich zehnmal zu töten. Knauserig fand ich diese Argumentation. Wenn schon, dann wollte ich bitte schön mit neuester Technik, mit dem Feinsten vom Feinen in die Luft gejagt werden. Und zwar mindestens zwanzigmal. Denen wäre es wahrscheinlich am liebsten gewesen, man hätte mich mit einem Holzknüppel erschlagen und das gesparte Geld für Kindertagesstätten und Öko-Bauernhöfe ausgegeben.
„Du spinnst ja“, sagte Stefan Schmiedke, Weiterlesen