Schnipsel vom 19.4.2015 – Ente gut und ein Kännchen drinnen

[Der Schnipselfriedhof ist umgezogen. Demnächst nur noch hier: www.Schnipselfriedhof.de]

Ich war wieder sehr viel unterwegs, weshalb diese Schnipsel nicht ganz ohne Klapprad- und Bahn-Content auskommen. Ich überlege, ob ich dafür nicht ein eigenes Blog aufmachen sollte, aber ich bin in Sachen Verzettelei sowieso schon ganz gut unterwegs („verläuft bei mir“).
Das Reisen lässt einen viele Dinge entdecken, etwa das folgende Plakat. „Ich bin ein Bamberger! Ich stehe für Bamberg!“ klingt zwar ein bisschen verzweifelt, so als wollten die Bamberger dies einfach nicht begreifen, aber insgesamt handelt es sich hier wohl um ein Beispiel Beispiel gelungener Integration. Oder sollte ich schreiben: Entegration?

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Ebenfalls im Bamberg fotografierte ich ein sehr schönes
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Kein Aprilscherz: In 30 Minuten zum Erfolg!

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[1.4.2015, 12.01 Uhr]

Da das Schreiben von unterhaltenden und/oder literarischen Texten und Büchern und das Vortragen derselben zwar ein sehr leckeres Brot ist, aber auch ein hartes, eher dünnes und nur mit Margarine beschmiertes, habe ich beschlossen zum Zwecke nachhaltigen Erfolges einen Ratgeber zu schreiben, denn mit sowas hat man gute Erfolgsaussichten, insbesondere, wenn es sich einen Ratgeber handelt, der den Lesern verrät, wie sie Erfolg haben können.

Nein, keine Sorge, es wird kein „Machen Sie es wie ich, schreiben Sie einen Ratgeber“-Ratgeber, sondern einer, der ein echtes Problem angeht und eine (für mich zumindest) prima funktionierende Lösung vorschlägt. Und das beste: Bevor in einem Jahr, die auf 240 Seiten aufgeblähte Buchfassung für 16,90 erworben werden kann, kommen Sie, liebe Leserinnen und Leser schon jetzt und völlig kostenlos in den Genuss meiner geballten Lebenserfahrung.

Markus Freise, Comiczeichner und Slam Kollege, hat eine Lösung für das Problem vieler Freiberufler gefunden, nicht mit der Arbeit aufhören zu können.

Ich habe eine Lösung für das Problem vieler Freiberufler gefunden, nicht mit der Arbeit anfangen zu können. Die Methode mag aber auch für Nichtselbständige ihre Vorteile haben.


 Markus Freise hat eine Lösung für das Problem  gefunden, nicht mit der Arbeit aufhören zu können. Ich habe eine Lösung für das Problem gefunden, nicht mit der Arbeit anfangen zu können.


Sie ist super einfach, weshalb ich bisher noch keine Ahnung habe, wie ich die 240 Seiten füllen soll und darüberhinaus nicht begreife, wieso ich sie erst vor fast zwei Jahren entdeckt habe.

Irgendwann, das ist jetzt schon sehr lange her, entdeckte ich, dass mein ursprünglicher Plan, Künstler zu werden, um nicht arbeiten zu müssen (naja, und von wegen Selbstverwürklichung und so und weil die Welt meine Texte braucht etc.) gründlich schiefgegangen war. Das ist nicht weiter schlimm, da – wie es auch Markus beschreibt – die Arbeit Spaß und oft glücklich macht.

Und trotzdem muss ich mich oft dazu zwingen. Nicht, weil ich sie hasse, sondern weil mich die schiere Menge manchmal einfach erdrückt, so dass ich Angst vor dem Anfangen habe. Weil einem die Muse manchmal statt einem Kuss einen Tritt in den Hintern gibt und man weiß, dass man sich jetzt trotzdem hinsetzen und versuchen muss, sie zu überlisten, weil man es sich nicht erlaube kann, zu warten, bis sie reumütig und mit einem Blumenstrauß zurückkommt. Und natürlich, weil ich meine Arbeit in Wahrheit doch hasse. Zumindest den Teil, der mit Emails, Excel-Tabellen, Pressetexten, Rechnungen und so weiter zu tun hat und der scheinbar von Jahr zu Jahr mehr Platz einnimmt.

[12.31 Uhr]

[…]

[12.37 Uhr]

Nichts ist deprimierender als die Vorstellung, jetzt 17 Emails und drei Facebooknachrichten beantworten und danach die Belege der letzten drei Monate sortieren zu müssen, um sich anschließend ans Schreibprogramm zu setzen und endlich diese eine verflixte Geschichte, dieses eine störrische Kapitel, diesen einen grässlichen Pressetext fertigzuschreiben. Bei mir hat der Gedanke an den Berg der vor mir lag, oft genug dazu geführt, dass ich in heftige Zuckungen verfallen bin, drei Tage später völlig vernachlässigt auf meinem Sofa wieder zu mir kam und feststellte, dass ich offenbar gerade alle Staffeln von Lost und Dallas und Bauer sucht Frau am Stück geguckt hatte.

Seit ich mir die Arbeit mit meinem neuen Superduper-System organisiere,kommt das kaum noch vor. Und gleichzeitig habe ich noch ein anderes Problem en passant mitgeöst, das sehr eng mit Markussens verwandt ist: Das sogenannte „Ich wollte bloß kurz bei Facebook nach Nachrichten schauen / einen winzigen Text fürs Blog schreiben / für einen Roman ein Katzenvideo rechnerchieren und plötzlich war es 2 Uhr morgens, ich hatte seit 14 Stunden nichts mehr gegessen und den ganzen Tag nicht eine sinnvolle Sache gemacht“

Die Lösung lautet: Ich teile alles in 30-Minuten-Stücke ein! Haha! Der Kurzzeitwecker ist zu einem meiner wichtigsten Arbeitsmittel geworden!

Es ist so ein riesen Unterschied, ob man sagt: Ich erledige jetzt den ganzen anstehenden, sich auftürmenden, schrecklichen, drögen Bürokram oder: Ich erledige jetzt 30 Minuten lang Bürokram. Es ist so ein Unterschied, ob man sagt: Ich stehe nicht eher auf, als bis ich dieses Kapitel fertig habe (oder nacch mindestens 7.000 Zeichen etc.) oder ob man sagt: Ich schreibe jetzt exakt 30 Minuten an diesem Kapitel. Es funktioniert mit allem. Mit Wohnungsaufräumen, mit Facebook und Katzenvideorecherche, mit der Steuererklärung, dem Gitarreüben, der Gartenarbeit. Na gut, vielleicht nicht mit allem, aber Vielem.

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(20 Minuten sind natürlich zu wenig!)

30 Minuten sind lang genug, um richtig in die Arbeit einzusteige, aber so kurz, dass man keien Angst vor dem leeren Blatt oder dem vollen Posteingang haben muss, denn die halbe Stunde steht man locker durch.

Danach hat man sich eine kleine Pause verdient. Als ich damit anfing war es bei mir häufig eine Zigarette, jetzt stehe ich manchmal bloß kurz auf und hole mir einen Kaffee oder ein Glas Wasser (die 6 Minuten beim Schreiben dieses Artikels zwischen 12.31 und 12.37 habe ich genutzt, um mir einen Kaffee im Bordbistro zu kaufen – viele Grüße aus dem Zug!).

Wichtig ist folgendes: Während der 30 Minuten darf man sich nicht ablenken lassen. Das Handy muss in den Flugzeugmodus und auf keinen Fall darf man zwischendurch mal kurz auf Facebook schauen („Die eine Minute häng ich dann einfach hinten ran“), es sei denn, es ist gerade die halbe Facebook-Stunde.

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Manchmal stelle ich nach den 30 Minuten den Wecker sofort wieder und mache einfach weiter, oder ich belohne mich für eine halbe Stunde Gehirnauswringen (selbst wenn oder gerade wenn es ergebnislos war)mit 30 Minuten Hausarbeit, die sich dann fast wie eine Pause anfühlen. Und nach ein paar 30-Minuten-Einheiten hat man dann auch das Gefühl, sich jetzt eine größere Pause nehmen zu können.

Das ist ein weiterer Vorteil des Systems: Man bekommt ein besseres Gefühl dafür, wieviel oder wenig man eigentlich macht, wieviel Zeit bestimmte Dinge erfordern und wieviel man schaffen kann.

Falls es jemand mal ausprobiert, würde ich mich sehr über Feedback freuen. Mir hilft es sehr und ich habe den Eindruck mehr zu schaffen, zufriedener mit dem Geschafften zu sein als früher.

Inspiriert wurde die „Volker Strübings Original In-30-Minuten- zu- Erfolg-und-Weltherrschaft-Methode” übrigens von Kirsten Fuchs, die ein eigenes System entwickelt hat, dass auch seine Vorzüge hat. Aber davon muss sie selber berichten.

[13.17 Uhr – die  verbleibenden 21 Minuten nehme ich mir für ein Foto zum Beitrag. Da ich schon weiß, dass ich die hier rumliegende Schweizer Gratiszeitung fotografieren will, rechne ich mit 5 Minuten, was bedeutet, dass es ziemlich genau 21 dauern wird.]

Odysseus in München

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Da ich zumindest von 2 Menschen kenne (und zwar schon quasi von Geburt an), die ganz gerne lesen, wie es mir unterwegs so ergeht, und die nicht bei Facebook sind, erlaube ich mir, gelegentlich die eine oder andere Sache doppelt zu posten.

Und die folgende Geschichte passt hier eigentlich sowieso viel besser als bei FB:

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Wenn Du morgens 40 Minuten mit dem Fahrrad quer durch München zu einer Verabredung in eine ulkige Vorstadt fährst (die meiste Zeit bergauf), dort angekommen feststellst, dass du einen kleinen Buchstabendreher in der Adresse hattest und dank Google-Maps auf dem schnellsten Wege zum falschen Ziel gefahren bist, dann die richtige Adresse eingibst und siehst, dass sie nur 5 Minuten von deinem Hotel entfernt gewesen wäre, daraufhin wieder 40 Minuten radelst – seltsamerweise erneut bergauf, bei gefühlten 25 Grad, mit dickem Pullover und Wintermantel bekleidet, mit prall gefüllter Fahrradtasche am Gepäckträger und aus allen Nähten platzendem Rucksack samt angeschnallter Reisegitarre auf dem Rücken, weil du das Hotel wechseln musst), dir dann auf dem letzten Kilometer ein Loch in den Reifen fährst und mit 45 Minuten Verspätung auf der Felgen kriechend und wie ein Golden Retriever im Hochsommer schwitzend und hechelnd bei deiner Verabredung ankommst, hinterher dein Fahrrad durch halb München schiebst, weil praktisch alle Fahrradläden montags dicht haben, wenn du dann, als du endlich einen geöffneten Laden erreicht hast, dort angepflaumt und trotz allen Notfallgejammers und pathetischer Anrufungen von Menschlichkeit und Nächstenliebe wieder fortgeschickt wirst, dir ein Taxi nimmst, für 15 Euro zum nächstgelegenen offenen Fahrradladen fährst, und dort sagt jemand irgendetwas in völlig unverständlichem Bayerisch, nimmt aber das Fahrrad und schreibt 17.30 Uhr auf den Abholschein, und nicht weit vom Geschäft entfernt ist eine Bäckerei wo es guten Käsekuchen, prima Kaffee und Steckdosen gibt, dann weißt du, dass es auch viel schlimmer hätte kommen können.

P1200620(Und wenn du dann zum Kompott am Abend im Lyrik-Kabinett noch ein bisschen in der Glasfaserkabellampe wuscheln und dich über das schöne deutsche Wort “Glasfaserkabellampe” freuen darfst, dann ist wirklich alles gut.)

 

Schnipsel vom 29.3.2015 – Über Klokonsum, die Lösung des Abfallproblems und tanzende Bäume

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Hurra! Wenn die Bäume tanzen, dann ist endlich Frühling:

P1200418Zeit für den Frühjahrsputz! Weg mit allem Müll und Krempel und Gerümpel, Platz schaffen für neuen Schund und Plunder und Schnickschnickschack. Die eleganteste Methode der Müllentsorgung ist es sicherlich, einfach Weiterlesen

Der Schnipselfriedhof wird umgebettet

Nach 1179 Beiträgen (von denen ich etwas über 1000 verfasst habe; der Rest stammt von Andreas Krenzke) mit 1,6 Millionen Aufrufen und 8000 Kommentaren, nach fast 9 Jahren (was die gerade genannten hohen Zahlen doch wieder etwas relativiert) und solch welthistorischen Einschnitten wie der Eurokrise, dem Beginn des Ukraine-Konflikts und der Einführung des iPhones, ist es endlich soweit: Der Schnipselfriedhof zieht bei den freundlichen Menschen von wordpress.com aus und in eigene Wohnung (eine Mietwohnung von strato).

Ab sofort ist er unter www.schnipselfriedhof.de zu erreichen. (Diese Adresse gab es auch bisher schon, war aber nur eine Umleitung zu volkerstruebing.wordpress.com.) Es wird sich wenig ändern. Alle alten Beiträge und Kommentare sind mit umgezogen, ich behalte vorerst das selbe Layout bei, von einem kleinen Headerbild abgesehen.

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Die nächsten drei Beiträge werde ich unter beiden Adressen veröffentlichen, aber falls jemand den Schnipselfriedhof gebookmarked hat, sollte er die Adresse bald ändern.

Ich danke allen Lesern und Kommentatoren, meinem Mitautor Spider und dem Team von WordPress für die letzten 9 Jahre!

Prost Kaffee auf die nächsten 9!

(Volker Strübing)

Sonnenfinstermist

So ein Ärger. Wo sind die Raub-Uploader, wenn man sie mal braucht? Hätte gerne die beste Sonnenfinsternis-Doku aller Zeiten, nämlich “Nicht der Süden – Teil 4″ verlinkt, inklusive einem völlig verkaterten Hauptdarsteller, einer Zitronensonne und rülpsenden Walrossen, aber es ist nirgends zu finden. Nicht mal bei youtube. Nur Trailer. Aus den mediatheken wird es immer ein paar Monate nach der Ausstrahlung gelöscht, und da wir damals nicht in HD gedreht haben, wird es wohl niemals wieder ausgestrahlt.
Aber im Trailer sieht man wenigstens mal ganz klitzekurz die Sichelsonne der partiellen Sonnenfinsternis 2008 auf Spitzbergen:

Die 74% heute in Berlin waren nicht gerade spektakuär. Das Licht wurde halt ein bisschen fahl, eigentlich lohnt es sich erst ab 85% so richtig. Aber für zwei, drei nagelneue sichelförmige Sommersprossen auf der Nase hat es doch gereicht.